Mittwoch, 24. Januar 2024
Christiane Großkopf, 57, ehrenamtliche Familienbegleiterin
Was hat Sie dazu motiviert, Familienbegleiterin im ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst „Löwenzahn“ zu werden?
2017 habe ich meinen damaligen Mann durch eine schwere Erkrankung bis hin zu seinem Tod begleitet. Eine, wie ich anschließend gesagt habe, „schrecklich schöne Zeit“… Die Erfahrungen, die ich während dieser Zeit gemacht habe bzw. machen durfte, haben meine Sicht auf das Thema „Tod“ sehr verändert und waren ausschlaggebend dafür, mich 2020 mit dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst „Löwenzahn“ in Verbindung zu setzen. Ich war sehr schnell sehr beeindruckt von dem Konzept an sich sowie dem vielfältigen Angebot des gemeinnützigen Vereins und mir wurde klar, dass ich helfen wollte.
Wie sieht Ihr Engagement dort konkret aus?
Mein Ziel war von Anfang an die Familienbegleitung! Nach Beendigung meiner Ausbildung hat es nicht lange gedauert und mir wurde eine Familie mit zwei lebenszeitverkürzt erkrankten Kindern im Alter von 5 und 9 Jahren vorgestellt, die sich bei Löwenzahn um eine ehrenamtliche Begleitung beworben hatten. Alles hat gepasst und nach nunmehr fast 3 Jahren sind wir zu einem tollen Team zusammengewachsen! Zu sehen, wie diese wunderbare und außergewöhnliche Familie Tag für Tag die immer wieder neuen, heranrollenden Probleme meistert, macht mich demütig. Ich habe größten Respekt vor dieser Leistung und bin dankbar, einen ganz kleinen Teil mit dazu beizutragen, dass den Eltern meiner beiden Jungs durch die ehrenamtliche Tätigkeit für Löwenzahn ein bisschen Zeit geschenkt wird. Zeit für manchmal banale Dinge, wie schlafen, einkaufen, ein Wannenbad und ähnliches. Im Gegenzug bekomme ich so viel zurück! Jedes Lachen meiner Jungs, jeder gute Tag, den wir gemeinsam verbringen dürfen, all das berührt mich sehr! Für mich ist diese Aufgabe, die ich zwischenzeitlich gemeinsam mit einer weiteren ehrenamtlichen Kollegin ausübe, zu einer echten Herzensangelegenheit geworden.
Was ist für Sie Heimat?
Heimat ist für mich nicht unbedingt der Ort, an dem ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Heimat ist für mich ein Gefühl, und Dortmund zu der Stadt geworden, die mir dieses Gefühl vermittelt. Hier fühle ich mich zugehörig, sehr zufrieden, in gewisser Weise „umarmt“ und somit auch geborgen. Heimat ist für mich aber auch verknüpft mit den Menschen, die mir viel wert und wichtig sind und sich im nahen Umfeld um mich herum befinden. Denn der schönste Ort kann nicht zur Heimat werden, wenn die Menschen fehlen, die ihn mit Leben füllen und somit auch das eigene Leben zu einem erfüllten machen.
An welchem Ort im Ruhrgebiet fühlen Sie sich am wohlsten?
Tatsächlich in Dortmund! Obwohl ich gebürtig aus dem Sauerland stamme und „erst“ seit 22 Jahren hier lebe, ist diese bunte und fußballverrückte Stadt mit ihren sehr besonderen Menschen für mich zu einem Ort geworden, an dem ich mich wirklich wohl fühle. Natürlich gibt es auch hier Probleme und Missstände, mit denen man fast täglich konfrontiert wird, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt, bzw. die einzelnen Stadtteile geht. Das soziale Gefälle zwischen arm und reich ist deutlich erkennbar, und ich meine, die Politik täte gut daran, dieser Schieflage mehr Bedeutung beizumessen.
Was finden Sie woanders besser als im Ruhrgebiet?
Die zum Teil deutlich attraktiver gestalteten Innenstädte. Münster zum Beispiel lädt mich eher dazu ein, mich in den Geschäften umzuschauen und den Einzelhandel vor Ort zu unterstützen, als die Innenstadtbereiche von Dortmund, Bochum oder Essen. Natürlich trägt das sich wandelnde Einkaufsverhalten eines jeden einzelnen, mich eingeschlossen, mit dazu bei, dass Innenstädte sich verändert haben und weiter verändern werden. Der „Klick“ im Internet ist oftmals sehr viel bequemer als der Gang in die Stadt. Langfristig gesehen wird das aus meiner Sicht zu einem Sterben des Einzelhandels, so wie ich ihn noch kennengelernt habe, führen und damit zu einem generellen Wandel des Städtebilds. Gerade für die ältere Generation keine schöne Perspektive…!
Würden Sie das Ruhrgebiet jemals verlassen?
Nein! Ich will hier alt werden! Die Nähe zum Grün, die kurzen, überwiegend auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln überwindbaren Distanzen zwischen den einzelnen Städten, das kulturelle Leben und das Freizeitangebot allgemein sind nur einige meiner Gründe. Die vielfältigen, miteinander lebenden Kulturen und der Ruhrgebietler an sich sind weitere. Auch, wenn ich als gebürtige Sauerländerin anfänglich nur schwer mit der klar und unverblümt geäußerten Meinung der hier geborenen und aufgewachsenen Menschen umgehen konnte, bin ich heute umso dankbarer dafür. Was mich nach wie vor beeindruckt, und ich sehr schätze, sind der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft, die die Menschen in dieser Region auszeichnet und die ich nicht missen möchte!
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